Mein Goethe.de

Der Reiz des Deutschen

Die Goethe-Institute in der Arabischen Welt verzeichnen ein großes Interesse an Deutschkursen. Die Sprache verbessert die Berufschancen – aber sie ist auch der Kern des Kulturaustauschs mit Deutschland.


Der Reiz des Deutschen; Foto: Claudia Wiens
Wer demnächst in Deutschland Ärger mit seiner Mobilfunkrechnung hat und die Vodafone-Hotline anruft, könnte möglicherweise in Kairo landen. Vodafone betreibt hier im modernen Smart Village ein Callcenter. Das Goethe-Institut in Kairo bringt den jungen ägyptischen Vodafone-Mitarbeitern dafür Deutsch bei. Der Outsourcing-Standort Ägypten boomt. Immer mehr internationale Unternehmen siedeln sich hier an, auch mit ihren Callcentern. „Das merken wir ganz deutlich“, sagt Ingrid Köster, die Leiterin der Sprachabteilung des Goethe-Institutes in Kairo. Sie ist verantwortlich für die Spracharbeit der Goethe-Institute im gesamten Nahen Osten und in Nordafrika. Ausländische Investoren schwärmen von dem gut ausgebildeten Fachpersonal in Ägypten und von den niedrigen Löhnen. „Wir haben seit dem letzten Jahr mehrere Firmenanfragen bekommen“, sagt die Sprachabteilungsleiterin, „und wir haben bereits Deutschlernkurse zur Qualifizierung von Callcenter-Personal umgesetzt.“

Die Callcenter freuen sich über Mitarbeiter, die – anders als an anderen Standorten – oft Hochschulabsolventen sind, und zahlen ihnen deshalb Löhne über dem ägyptischen Durchschnitt. So hilft das Goethe-Institut jungen Ägyptern beim beruflichen Erfolg, obwohl es sich natürlich nicht in erster Linie als Dienstleister der Wirtschaft versteht. Weltweit wollen die Goethe-Institute über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben Deutschlands informieren. Die Sprache ist nur ein Bestandteil der deutschen Kultur, allerdings einer von elementarer Bedeutung. Und die wird auch in den Sprachkursen deutlich. „Wenn man die Sprache lernt“, sagt Institutsleiter Heiko Sievers in Kairo, „dann kommt man an die Kultur, die Werte, die Geschichte und an die Umgangsformen eines Landes näher heran. Sprachunterricht ist der Kern des Kulturaustausches“.

Das Goethe-Institut bietet aber nicht nur eigene Kurse an, sondern unterstützt staatliche wie private Träger, bildet die nötigen Sprachlehrer aus und qualifiziert sie weiter. Inzwischen gibt es 150000 ägyptische Schüler, die bei mehr als 1000 ägyptischen Lehrern Deutsch lernen. Viele ihrer Schulen sind Teil des vom Auswärtigen Amt geförderten Netzwerkes „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH, www.pasch-net.de). In Ägypten gibt es inzwischen 25 PASCH-Schulen. Fünf davon sind Deutsche Auslandsschulen, fünf bieten das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz an. Wer das Deutsche Sprachdiplom Stufe 2 hat und über die fachlichen Voraussetzungen verfügt, ist zum Studium an einer Hochschule in Deutschland berechtigt. An weiteren 13 Schulen wird Deutschunterricht neu eingeführt oder aufgebaut, erst am 10. März kamen zwei neue Partnerschulen hinzu. Die Schulen wurden mit technischen Geräten und multimedialen Lehrmitteln ausgestattet.

Am Goethe-Institut in Kairo lernen pro Jahr zirka 4500 Ägypter Deutsch, in Alexandria sind es etwa 2000. Die Sprachschüler sind im Durchschnitt Anfang 20, zwei Drittel von ihnen Männer. Die Sprachkurse sind nicht billig, aber sie dienen den Schülerinnen und Schülern als Investition in die Zukunft. „Nur wenige Ägypter kommen auf die Idee, Deutsch zu lernen, weil es cool ist“, sagt die Studentin Miriam Salama. „Wer nach Deutschland fährt, will dort in erster Linie studieren oder Messen und Geschäftspartner besuchen.“ Nicht zuletzt deshalb möchten die Mitarbeiter der Goethe-Institute in der gesamten arabischen Welt qualitativ hochwertige Kurse anbieten. An seine Lehrer stellt das Goethe-Institut deshalb hohe Ansprüche und beschäftigt ausschließlich ausgebildete Sprachlehrer. Daher fällt es nicht leicht, in allen arabischen Ländern genügend Sprachkurse anzubieten. Während in Marokko jährlich etwa 5000 Kursteilnehmer Deutsch lernen, sind es in allen Golfstaaten zusammen nur knapp über 1000. Besonders in den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es wesentlich mehr Interessenten als Kursplätze. Überraschend groß ist das Interesse im Jemen. „Wir sind dort derzeit sogar mit drei Mitarbeitern vertreten“, sagt Ingrid Köster. Man berate das Erziehungsministerium bei der Einführung von Deutschunterricht an staatlichen Schulen und biete Deutschkurse in Aden und Sanaa an. Besonders die Kurse im Deutschen Haus in der Hauptstadt Sanaa seien mit jährlich rund 900 Teilnehmern besonders erfolgreich. Auch in anderen Ländern werden Schritt für Schritt die Kursangebote erweitert. Seit der Wiedereröffnung des Goethe-Institutes in Khartoum im Jahr 2008 werden dort wieder Sprachkurse angeboten, vorerst für rund 150 Teilnehmer pro Jahr. Selbst in Libyen, wo Jahrzehnte lang außer Englisch keine andere Fremdsprache gelehrt werden durfte, gibt es seit 2008 ein Sprachlernzentrum des Institutes, für derzeit cirka 600 Schüler pro Jahr. Generell haben sich die Bedingungen in fast allen arabischen Ländern verbessert. „Wir könnten fast überall mehr machen“, sagt Ingrid Köster, „wenn wir genug qualifizierte Lehrer hätten. Der Lehrermangel ist überall unser größtes Problem.“ Nach Ansicht von Ingrid Köster ist der Wunsch, in Deutschland zu studieren, der Hauptgrund für die ständig wachsende Nachfrage nach Deutschkursen. „Ich denke, es hat sich einfach herumgesprochen, dass wir in Deutschland attraktive Studienangebote haben.“

Auch die 26 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) an Hochschulen in der Arabischen Welt entsandten Lektoren sind wichtige Ansprechpartner für alle, die sich für ein Studium in Deutschland interessieren. Zugleich vermitteln die meisten von Ihnen auch die deutsche Sprache: Sie arbeiten vor allem im Fach Germanistik oder Deutsch als Fremdsprache an den Hochschulen. Selbstverständlich ist Deutsch als Wissenschaftssprache auch an den Universitäten ein wichtiges Thema, die eng mit Deutschland und deutschen Partnerhochschulen kooperieren wie die German University Cairo, die German-Jordanian University in Amman oder die German University of Technology in Oman.
Jürgen Stryjak
Erstveröffentlichung in .de – Magazin Deutschland

powered by Sevenval